über Wittgenstein

 

"Wittgensteins Revolution (2. Fassung 2013)" - Wittgenstein und das Ende der Europäischen Philosophie

In diesem Essay entwickle ich Ideen meines Essays über Wittgensteins Revolution (2009) noch einmal neu. Ich zeige, inwiefern im Blick auf Wittgensteins Konzeption von einem Ende der Europäischen Philosophie die Rede sein kann, insofern seine semantische Philosophie-Konzeption die Phase der Philosophie ablösen will, in der diese sich kognitiv verstanden hat und Metaphysik (in Antike und Mittelalter) und Erkenntnistheorie (in der Neuzeit) als ihre Grundlagendisziplinen verstanden hat. Wittgenstein hat die Grundprobleme dieser Formationen der Philosophie, die scheinbar unlösbare Kontroverse zwischen Realismus und Idealismus, den Skeptizismus und den Solipsismus durch seinen „Übergang von der Frage nach der Wahrheit zur Frage nach dem Sinn“ (Ms 106, 46) aufgelöst und er hat das Selbstverständnis der Philosophie vom theoretisch Erkennenden zum praktisch Therapeutischen hin verschoben. Nach Moores Bericht über Wittgensteins Vorlesungen in den 30er Jahren und nach den Nachschriften dieser Vorlesungen hatte Wittgenstein ein klares Bewusstsein von dieser fundamentalen Wende, die er nach Moores Bericht einen „kink in philosophy“ genannt hat, der nicht nur Teil einer kontinuierlichen Entwicklung des Fachs sei. Ich argumentiere: zu Recht.

Der Text enthält eine Klärung von Wittgensteins stehender Formel von den „Problemen der Philosophie“, gibt eine Beschreibung seiner Konzeption als eines Kantianismus ohne Ding-an-sich und eine detaillierte Analyse dessen, was Wittgenstein als seine Haupterrungenschaft angesehen hat: eine Methode bzw. Methoden der Philosophie gefunden zu haben. (Den 'Übergang von Wahrheit zu Sinn' hat er den Kern seiner Methode genannt – Ms 106, 46.) Erklärt wird der Selbstvergleich dieser Methode mit der Psychoanalyse Freuds. Obwohl sich diese Methode konsistent auch als eine Transformation von Kants „logischer Behandlung der Begriffe in der Philosophie überhaupt“ (KrV B 91) beschreiben lässt, bedeutet gerade sie das Ende sich metaphysisch oder erkenntnistheoretisch begründender Philosophie.

Außerdem werden einige von Wittgensteins Klärungen mithilfe seiner Methode dargestellt bzgl. der Begriffe 'Sprache', 'Sinn', 'Bedeutung', 'Wahrheit', 'Verstehen und Meinen', intentionaler und nicht-intentionaler psychologischer Begriffe. Dabei werte ich stärker als bisher den Text des Big Typescripts aus, weil in ihm sachliche Zusammenhänge direkter greifbar sind, die in Philosophische Untersuchungen durch die intellektuell-selbstkritische Formatierung der Darstellung nicht so leicht als zusammenhängend eingesehen und dargetan werden können.

Wenn meine Darlegungen überzeugen, zeigen sie, wie unangemessen es ist, Wittgenstein nur als Sprachphilosophen zu lesen (v. Savigny), ihn nur dem Kontext der Analytischen Philosophie zuzuordnen (Hacker) oder ihn nur als unbequem herausfordernde Randfigur der Philosophie, vergleichbar Pascal und Nietzsche, abzuschieben (Sluga). Wenn ich Recht habe, war er eine Figur vom Format Platons, Descartes und Kants.

Inhalt:

Einleitung1
1. Kapitel:Wittgensteins 'philosophische Probleme' 3
2. Kapitel:Wittgensteins Methode –
angewendet auf die Erklärung seiner Konzeption als Kantischer 26
3. Kapitel:Sprache und Satz, Sinn und Bedeutung, Erklärungen, Regeln, Sprachspiel(e) 34
4. Kapitel:Verstehen und Meinen 49
5. Kapitel:Weitere psychologische Ausdrücke: Denken, Absicht, Erwartung, Wunsch
Die Lösung des Rätsels der Intentionalität 58
6. Kapitel:Nicht-intentionale psychologische Ausdrücke 69
7. Kapitel:Rekapitulation: Sinn, Bedeutung, Wahrheit – und Retraktation:
Wittgensteins Methode(n) 80
Schluss100

Der Text von 2009 bildet nun den Anhang, weil er trotz natürlich zahlreicher Überschneidungen philosophisch selbständiger ist und eben eine Phase meiner Einsicht darstellt.

"Wittgensteins Revolution" - Das Problem der Philosophie und seine Auflösung (online-Original)

 

Von meinen Aufsätzen über Wittgenstein möchte ich hier zwei derjenigen, die sich ausführlich mit den wichtigsten Alternativen zu meinen Interpretationen auseinandersetzen, zur Verfügung stellen: